Vom Überleben und Verlieben
Über acht Monate stand dieser Blog jetzt still. Im Grunde hat sich nicht viel getan. Das Leben ist auf eine so unspektakuläre Weise ins Stocken geraten. Soziale Prozesse verlangsamten sich. Die weiten Schritte in das neue Leben wurden kleinlaut wieder zurückgegangen. Die Tage vergingen so schnell, ich kam mit dem Abreißen der Kalenderblätter nicht hinterher. Irgendwann gab ich auf. Ich sehe an die Wand, der Kalender verharrt belanglos auf dem 24. März. Ein Tag ohne Bedeutung. Die Tage, sie kleben an meinen Händen, ihre Rückstände sind zu erahnen, ohne aber wirkliche Abdrücke hinterlassen zu haben. Die Zeit hat in meiner Welt offenbar ihre unbeeinflußbaren Zyklen.
Hinzu kommt maßgeblich auch, daß das kaputte Herz vor vielen Monaten das tiefe Bedürfnis verspürte, wieder eine Reise antreten zu wollen. Unbeirrbar schlich es neugierig den verschiedenen Kandidaten hinterher. Bot sich feil. Wollte sich freudig verschenken. Und dann legte es sich schließlich fest: Ausgerechnet auf die Schwester der Frau, deretwegen dieser Blog überhaupt entstand. Da konnte mein Kopf noch so sehr schimpfen, kam ich in ihre Nähe, war es, als träte man in die Frühlingssonne. Momente wie ein Regenbogen, ein kaltes Getränk an einem heißen Tag, wie der morgendliche Gesang der Vögel. Etwas Verstand hätte das, was jetzt passiert ist, sicher verhindern können. Ich interpretierte Freundlichkeit falsch, legte Worte auf die Wagschale, die da nie landen sollten. Während ich mich auf einem Zieleinlauf wähnte, war ich nichts anderes als ein guter Freund, der nicht einmal die Weihen eines möglichen Kandidaten erhielt.
Ich blamierte mich auf so eine unglückliche Weise, die jetzt vergangen Tage hatten gar keine Chance, besser als nur blaß und fahl zu werden.
Ein Beispiel von Unvernunft und törichtem Verhalten. Doch ich will eine Lanze brechen für diese Unvernunft: Die Momente, an denen ich vermutete, dem Ziel nahe zu sein, wo ich Zuneigung mit Allerweltsfreundschaft verwechselte, sie beglückten mich. Die Projektion dessen, was hätte sein können, sie war letztendlich großartig.
Doch der Kater nun, er kostet sehr viel Kraft. Und wenn ich des tags an meinem Regal der Körbe meiner Sehsüchte vorbeischleiche, dann befinde ich, es ist schon mehr als reichlich befüllt. Eine Wand vom Scheitern. Die kleinen und großen Niederlagen reihen sich hämisch auf und lassen mich einen Spießrutenlauf aufführen.
Aber ist es nicht letztendlich besser, unglücklich geliebt zu haben als gar nicht? Ich habe diese Gleichung noch nicht gelöst.

Ich lasse mal einen lieben Gruß da. Und zu deiner letzten Frage würde ich sagen – ich glaube es ist besser als gar nicht, auch wenn das zunächst vielleicht nicht so einleuchtend erscheint.