Menschen im Park
Zunächst zeigte sich der Sommer ja von seiner sehr schönen Seite. Aber wie das so ist im Leben: zu früh gefreut. Der Juni erwies sich als wenig galant und präsentierte seine höchst ungemütliche Seite. Ich gebe zu, ich bin emotional wetterfühlig. Dauerregen schlägt mir mit einer gewissen Roheit aufs Gemüt. Doch jetzt seit zwei vollen Tagen scheint wieder die Sonne und es herrscht wunderbare Wärme. Das ist Sommer. Magisch hebt das Wetter sozial übergreifend und sichtbar die Laune der Menschen. Der Schritt verlangsamt sich, der Gang wird entspannter. Alles fließt plötzlich sanft durch den Tag. Und da man ja nie weiß, wie lange die meteorologische Sanftmut noch anhält, habe ich kurzerhand meine Arbeit heute in den Park verlegt. Akku geladen, Mobiltelefon eingepackt und los. Büro unter freiem Himmel. Neue Arbeit, neue Konditionen. Gerade schlängelt sich eine Mutter mit ihrem Kind an mir vorbei und Mutter und Tochter mustern mich gleichermaßen ungläubig. Offensichtlich hat der Gebrauch von Computern im Freien noch nicht in das optische Raster der Menschen Eingang gefunden. Wahrscheinlich halten sie mich für einen Spinner. Aus einem bestimmten Blickwinkel mögen sie vielleicht sogar Recht haben. Aber die warme Luft umschwirrt so wundervoll mein „Büro“; mir sind die Anderen egal. Gerade baut sich eine Familie Singvögel vor mir auf und lädt zum gemeinschaftlichen Ständchen, um im nächsten Augenblick von einem eiligen Jogger vertrieben zu werden, der aussieht, wie eine versehentlich nicht abgeschaltete Herdplatte und unwillkürlich tut er mir leid, da eine recht hohe Wahrscheinlichkeit besteht, daß ihn hinter der nächsten Ecke der überflüssige Kreislauftod hinwegfegt. Jetzt kehrt vorsichtig die Singvögel-Familie wieder zurück. Auch sie schauen bedauernd und ratlos dem Jogger hinterher. Weit entfernt dringen Spiellaute von Kindern an mein Ohr und der Wind rauscht begleitend durch die Äste und Blätter. Ach, es ist schön im Sommer im Park zu sein.

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