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Sprachlos

Ein Tag nach dem anderen zieht an mir vorüber. Das Alleinsein fordert jetzt doch seinen Tribut. Alles zu wollen und nichts davon erreichen zu können, es ermüdet sehr. Nicht schlagartig, sondern eher wie ein dumpfer Faulungsprozeß. Die schöngeredete Freiheit beginnt zur Last zu werden. Ab und zu springt vollkommen unerwartet die alte Zeit noch einmal hervor, irritiert mich und entläßt mich in tiefster Verwirrung. Ich ertappe mich dabei, zum Telefon zu greifen und jemanden anrufen zu wollen und sogleich es wieder zu verwerfen. Ich habe das Gefühl, meine Geschichten schon erzählt zu haben. Die Stücke des Lebens gelebt und erfahren zu haben. Der Weg, den ich gerade beschreite, er wird als eine profane Wiederholung entlarvt. So oder so ähnlich war es doch schon einmal. Sprachlos. Wortlos. Ich halte auf dem Weg Momente inne, betrachte den Himmel, das Muster der Wolken, die Menschen neben mir, die keinen Blick mehr für Wolken haben. Und doch würde ich gerne eure Geschichten erfahren. Die kleinen Siege und Niederlagen, die Sehnsüchte, die Hoffnungen, die Ausblicke. Aber dafür will und kann sich heute keiner mehr Zeit nehmen. Doch auch ich nehme mir im Augenblick leider nicht mehr diese Zeit für Gespräche, für eMails oder Interaktionen. Für alle, die ich nicht bedacht habe: Es tut mir leid, aber in meiner Buchstabensuppe sind gerade einige wichtige Komponenten ausgefallen. Die werde ich wohl demnächst nachkaufen müssen. Ja, ich werde sie schnellstmöglich ersetzen.

~ von seichteswasser am April 26, 2008.

2 Antworten to “Sprachlos”

  1. ich nenne sie die zeiten der ernüchterung. dem aufwachen folgt das erwachen, erst schleppend, doch später, ein paar tage vielleicht schon bald, trifft dich die sonne genau da, wo du sie brauchst. aufs und abs - ach ja, die kenne auch ich zu gut. ich habe mal eine these aufgestellt, die auch goethe einmal bestätigt hat, es geht in etwa so, dass sie kinder der götter das höchste glück auf erden erleben, aber leider auch den tiefsten fall zu spüren bekommen. das gibt uns in manchen situationen im leben das gefühl, klein zu sein wie eine maus, doch unser kern ist stärker als wir zu glauben wagen. du willst zeit? dann nimm sie dir, kriech in dein schneckenhaus und wenn du wieder lust nach mehr verspürst, die kraft hast, dann komm, wir werden dich mit offenen armen empfangen. ich danke dir auf jeden fall schon heute für deine offenheit hier.

  2. Danke für Deine wundervollen Worte.
    Sie legten hier in einem wirklich perfekten Augenblick an.

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