header image
 

Sternennacht über Hamburg

Ich blicke auf die Uhr: Der Zeiger steht auf 2.00. Ich stehe wieder am Hafen und blicke über Silhouette der Kräne, Docks und Anlegeplätze. Trotz später Stunde herrscht geschäftiges Treiben, getaucht in dieses wunderschöne gelbe Licht des Hamburger Hafens. Tief befördere ich meinen Atem in die Lungen. Seidige Luft. Der Frühling ist zweifelsohne angekommen und gesellt sich zur Stadt wie ein lang vermißter Freund. Hastig eilen die Taxen mit ihren Fahrgästen über die Straßen. Nachschwärmer belegen die Wege mit ihren alkoholisierten Unterhaltungen. Liebespaare genießen umarmend den Anblick der Nacht. Der Mond thront in sich ruhend und hell scheinend über dem Geschehen. Selbst die Sterne machen sich auf, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ein Anblick wie ein Gemälde. Hamburg ist zweifelsohne die schönste Stadt. Ein riesiges Schiff der Grimaldis stampft sich die Elbe hoch, den Bauch noch leer und hungrig nach Autos für den afrikanischen Kontinent. Irgendwo fällt eine Flasche hinunter und verliert klirrend und hilflos ihre Form. Die U-Bahn singt derweil melodiös auf ihren Schienen. Gelassenheit der Umgebung. Friedlich. Momente nur für mich. Die Drähte meiner Gedanken glühen, sie bedenken, sie vermissen und hoffen, resignieren und beginnen wieder von vorne. Hier hat damals alles begonnen. Eindrücke vermengen sich auf eine verquere Weise. Ich gehe hinunter an die Landungsbrücken und lausche dem Wasser auf seinem vorbestimmten Weg zum Meer. Sehnsucht nach Veränderung befällt mich, um im nächsten Augenblick wieder in gegenteiliger Zufriedenheit zu münden. Der alte Widerstreit der Kräfte. Ein Lotsenschiff eilt hastig zum nächsten Auftrag. Dabei frage ich mich, ob Lotsen den Hafen auch so wie ich noch schätzen können. Das Schiff entweicht eilig mit der verweigerten Antwort am Horizont. Langsam verschwinden auch die letzten Menschen vom Anleger. Es wird Zeit, wieder nach Hause zu fahren. Die Sehnsucht tippt mir beim Gehen auf die Schulter und begleitet mich ungefragt. Ich drehe mich um und nehme sie wohlmeinend an die Hand. Ein letzter Blick zurück auf das Panorama.
Das Leben ist doch so schön.

~ von seichteswasser am April 21, 2008.

Eine Antwort hinterlassen