header image
 

Dornenbüsche der Erinnerungen

Ein Sonnabend mit Stille. Kein Ausgehen. Keine Freunde. Der Lüfter des Computers rauscht sich sonor durch den Raum. Ich habe Zeit zum Erinnern. Nicht weil ich sie mir nehme, sondern weil die Erinnerungen heute Gehör verlangen. Das Alte will bedacht werden. Musik begleitet mein Zurückgleiten. Ich denke an sie, an unsere gemeinsamen Jahre. Ich kann noch immer ihre Nähe fühlen, ihren Atem neben mir im Bett erlauschen, kann noch immer meine Liebe für sie so deutlich spüren, daß mir die Brust schmerzt, auch wenn ich dabei erschreckt eine erste kleine Staubschicht entdecke.

Ich reise mit ihr noch einmal durch unsere alten Ziele, lade sie ein, mich zu begleiten. Erinnere mich an unser erstes Treffen, an ihr bezauberndes Lächeln, ihre ehrliche Herzlichkeit. All die Zeit, die ich noch so gerne etwas verlängert hätte, die aber augenscheinlich nicht mehr Tage hervorbringen wollte. So blieb diese Geschichte ein Abschnitt, einer von vielen. Ich frage mich, was wohl noch geworden wäre und muß sofort dabei schmunzeln. Ein törichter Ansatz, der nach jedem Ende von irgend etwas sich stets kindlich bei mir vordrängelt. Zeiten haben offensichtlich doch ein Verfallsdatum. Und mein Leben trägt schließlich weitaus mehr Erinnerungen in sich, die ebenfalls ein Teil von mir sind. Schrammen und Beulen, gar Narben. Erinnerungen können wie ein Stück Schokolade sein, wie der Duft einer Blume. Sie können aber auch langanhaltende Stille verordnen, beschwert von Felsbrocken, die lastenreich auf die Seele drücken. Ich bremse, halte schnell inne und mache an diesem Teil der Geschichte kehrt in die Gegenwart. Manche Staubschichten können auch ein Verbündeter sein.

~ von seichteswasser am April 12, 2008.

4 Antworten to “Dornenbüsche der Erinnerungen”

  1. staubschichten sind dazu da, dass man am ende wieder klarer sieht. sie sind an manchen tagen schneller da, als wir atmen können, lassen sich dafür auch leichter wieder wegpusten. bei falten sieht das schon anders aus. ; )

  2. Du bist nun ja ein Weilchen älter als ich und hast dementsprechend wahrscheinlich auch viel mehr Erinnerungen, doch wahrscheinlich gibt es da bei jedem welche, die mehr wiegen, tiefer gehen und sich intensiver anfühlen als andere. Ich kenne solche Erinnerungen, aber manchmal merke ich, dass es ganz schön viel Mut kosten kann, sich ihnen in ruhigen Momenten zu stellen. So schwer das Loslassen auch sein kann, ich finde es schön, dass du so oft in deine Gedanken auch einen Funken Hoffnung und etwas Positives hineinlegst. Diesen Zug sollte man sich bewahren.

  3. Seelentempel

    Der Tempel der Seele verändert sich

    jede Falte im Gesicht

    ein Erlebnis

    jedes graue Haar eine

    Enttäuschung

    das Strahlen der Augen

    zeigt das Glück

    das dir zuteil wird

    so vertraut

    und doch geheimnisvoll.

  4. Wunderbare Worte, vielen Dank!

Eine Antwort hinterlassen