Flug durch das Internet
Ich hatte gedacht, es wären letztendlich nur vernetzte Maschinen, jede davon ein kleiner Posten mit geistloser Tastatur, neutral und sämtlichst ohne Emotionen. Das Internet als Informationsquelle, sonst nichts. Farblose Steppe ohne echtes Leben. Zumindest ohne solches Leben, wie ich es verstehe, wie ich es benötige, wie ich es fühlen kann. Plötzlich, vor einiger Zeit, der kleine Bruch in meinem Mikrokosmos. Schmerzhaft und mich orientierungslos zurücklassend. Ich suchte nach einem Kanal für meine chaotischen Gedanken, meinen Schmerz, tastete mich an einen mir bis dahin fremden Blog heran. Tagebuch im Internet. „Liest ja ohnehin niemand“, dachte ich bei mir, während ich die Anmeldung bei WordPress durchführte. Es ist bemerkenswert, was sich da dann vor mir auftat. Ich begann interessiert über meinen eigenen Blog hinaus zu lesen. Ich erfuhr Geschichten, Ein- und Ansichten, ein wunderbares Spiel von Wort und Inhalt. Ich fand intuitiv und rasch die Blogs, die mich fesselten, deren Worte so sehr nach meinem Geschmack waren. Ja, die oft so viele Ähnlichkeiten mit meinem eigenen Leben hatten und haben. Und dann: wie ein Handschlag der Dinge, kam von diesen geneigten Inseln das Echolot meines Interesses sogar zurück. Es war, als hätte jemand eine Spielkarte gedreht. Der wahre Wert der Sache fand sich gegen jede Erwartung auf der Rückseite. Was für eine Erkenntnis. So bin ich eingetaucht in diese neue Welt, mit so unterschiedlichen und interessanten Menschen. Je mehr ich mich mit ihnen und damit mit mir befaßte, vergaß ich immer öfter den Kummer meines eigenen Debakels. Wie eine Kopfschmerztablette, die erst nach einer Weile zu wirken beginnt. Ein gänzlich neues Ufer. Überraschend aufgetaucht in dem Nebel meiner irritierten Sicht. Es ist zu einem wirklichen Erlebnis geworden. Wie selten und kostbar für diese rastlose Zeit. Und was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich ernte Ansprache mit stellenweise zum Dahinschmelzen veranlagten Kommentaren. Sie haben meinen Gang ein klein wenig gerader gemacht und meinen Lebenstagen oft einen Sonnenstrahl extra als Bonus spendiert. Das ist der finale Gedanke hinter diesem Eintrag, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
DANKE!

Im realen Alltag muss man erst die natürlichen Wege der Distanz überwinden, bevor man sehen kann, was sich dahinter verbirgt. Hier ist es umgekehrt. Anonymität wahrt Distanz, und erlaubt doch den Blick auf die Gedanken und zwar nur die. Daraus entsteht ein Bild, dass wir uns Stück für Stück zusammensetzen. Es ist eine völlig neue Art Menschen kennen zu lernen.
Ich bin vor allem überrascht, wie zufällig das alles geschieht, dass man ohne gezielt zu suchen, auf Gleichgesinnte trifft und neugierig Geschichten aufsaugt, die sich in vielem ähneln, weil sie so menschlich sind. Geschichten, die sonst oft hinter Fassaden verborgen werden.
Und wenn man dann feststellt, das Interesse auf Gegeninteresse stößt und das völlig unabhängig von Aussehen, sozialem Status oder sonstigen äußeren Merkmalen geschieht, dann gibt das doch Auftrieb für neue Gedanken verbunden mit Neugier auf einen erweiterten Blickwinkel.
Danken wir also den Möglichkeiten, die, wenn man sie richtig zu nutzen versteht, eine Bereicherung für zwischenmenschliche Begegnungen ist.