Abschiede
Das Ende von Dingen begegnet uns auf so unterschiedliche Weise. Es gibt Abschiede, die für immer sind oder Abschiede für kleine Atemzüge der Zeit. Es gibt laute Abschiede, voller Wut, Zorn und böser Worte und manchmal sind sie so still, man könnte ein Herz schlagen hören… bevor es zerbricht. Es gibt Abschiede, die wie schlechtes Wetter sind und solche, die sich heimtückisch einen ungewollten Platz in unserem Leben erschleichen. Es geschehen Abschiede, die keinen Raum mehr für Hoffnung lassen und die, deren letztes Wort noch nicht gesprochen ist. Manchmal erblicke ich den Abschied in einer Träne, in einem letzten resignierenden Seufzer, im Fall eines Blattes zu Boden, im Schließen einer Tür, in einem letzten Brief, in einem hilflosen und verzweifelten „Ich liebe dich doch“; ich sehe einen geliebten Menschen entweichen, beobachte ungläubig das Geschehen, fühle mich träumend und taumelnd, der Realität entrückt. Abschiede können freiwillig sein, der Einsicht gehorchend, sie können aber auch die kleine Welt eines Jeden auf die Probe seiner Festigkeit stellen. Aber Abschiede können auch lehren und den Blick schärfen, sie werfen dich an neue Ufer, stellen dich auf die Probe, fordern und formen. Oder aber sie zerbrechen dich. Man hat keine Wahl, kann nur Hammer oder Amboß sein. Wieder sehe ich den Regen gegen die Fenster peitschen, die Bäume sich unter der Last des Windes biegen. Meine Gedanken rasen schnell, aber ich weiß jetzt, ich werde nicht der geschundene Amboß sein. Manchmal kann man sich auch ganz langsam von einem Abschied verabschieden.


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