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Nichts weiter als 15 Minuten

Ein erster Marienkäfer ertastet im Glanz der Sonne eifrig das frisch eroberte Geländer, das wie aufpoliert im Licht des Frühlings glänzt. Die Frau neben mir in der Bahn hat es nicht gesehen. Ich werfe dem kleinen Käfer noch einen erfreuten Blick beim Vorbeifahren nach. Das Rattern der Bahn begleitet meine Gedanken. Mir geht so viel durch den Kopf. Der Wagon riecht ganz anders, wenn die Sonne ihn mit ihrer Wärme belohnt. Ich werde kurz geblendet. Der Mann mir gegenüber wirkt abwesend, seine Augen folgen nicht der vorbeiziehenden Landschaft, beachten nicht die Menschen im Zug, sie sind einfach nur starr. Ich bilde mir ein, Traurigkeit zu erkennen. Hinten im Wagon bellt ein Hund und eine Frau rollt schon jetzt entnervt mit den Augen. Ich freue mich über die Nachrichten aus diesem Blog, die mich die letzten Tage erreicht haben. Ich muß unwillkürlich lächeln. Es macht mir das Herz für einen Augenblick ganz leicht. Der Mann mit dem Hund steigt aus und die entnervte Frau begleitet seinen Abgang mit ebensolchem Stöhnen. Als ich selbst aussteige, quittiert eine Frau ungläubig den Umstand, daß ich ihr dabei höflich den Vorrang lasse. Gleich bin ich am Ziel meiner Fahrt. Meine Finger ertasten durch Zufall eine alte Büroklammer in meiner Tasche. Meine Gedanken kribbeln in meinem Kopf.

~ von seichteswasser am März 31, 2008.

2 Antworten to “Nichts weiter als 15 Minuten”

  1. und ich merke, am schönsten sind doch die aufmerksamen momentaufnahmen des alltags mit dem bestimmen gefühl für das besondere, die ich hier bei dir finden kann. der maikäfer ist auch hier angekommen, winkt dir zu und sagt: danke. : )

  2. …und er hat Dir offensichtlich verraten, wann genau ich das hier schreibe (ungefähr nur 3 Minuten vor Deiner Nachricht). Passe gut auf den kleinen Käfer auf, sie bringen nämlich Glück. Danke auch noch für Deinen letzten Kommentar auf meiner “mich-Seite”, er freut mich noch immer.

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