Ostergedanken
Ostern ist schon ein wenig wie Weihnachten. Man besucht seine Familie, ist seiner Liebsten oder seinem Liebsten nahe, feiert. Dabei haben viele Menschen heute nicht mehr die geringste Idee, was Ostern eigentlich ursprünglich bedeutet. Ich finde das weniger aus religiöser, sondern eher aus kultureller Sicht bedenklich. „Das Fest mit dem Lindt-Hasen“. Vielleicht resultiert diese Meinung aber auch aus meinem österlichen Empfinden, sozial im Moment mit dem Rücken an eine kalte Wand gepreßt zu werden. Ich suche eindringlich und weiß eigentlich überhaupt nicht wonach. Ich bin ein wenig wie ein räudiger alter Köter, der zwar sicher erkennt, ein Zuhause zu haben, aber überhaupt nicht ahnt, wo er es finden kann.
Heute fand ich bei einem Kunden in „meinem Büro“ eine fremde Frau vor. Sie kam aus der Zentrale und ihr wurde dieser Arbeitsplatz zugewiesen. Ich hatte natürlich mal wieder das Memo nicht gelesen, so kam ihre Präsenz recht überraschend. „Irgendwie bin ich doch noch viel lieber allein, als ich es bisher gedacht habe“, plumpste es da ruckartig aus meinen Gedanken. Das Mädel roch deutlich nach einer unschönen Mischung aus Nikotin, kalter Asche und einem grauenhaften Parfüm, das offenbar sehr reichlich des Morgens seinen planlosen Niederschlag auf ihrer Haut fand. Ihr Englisch war nuschelig und unmotiviert, ich mußte ständig nachfragen. Der lustlos in die Ecke geworfene Mantel, der unlebendige Blick, Business pur. Immerhin weiß ich noch, welchen Typus Mensch ich nicht sonderlich schätze.
Ostern. Fast alle meiner Freunde waren in familiärer Mission unterwegs. Ich hatte wunderbar (zumindest aus meiner Sicht..) gekocht und mir eine großartige Flasche Rotwein geöffnet. Ein paar Kerzen, guten Jazz (Clifford Brown With Strings) und schon wurde Ostern wieder ein wenig besser. Petrus danke mir diesen versöhnlichen Versuch zum Osterfest mit großartigem Schneefall. Diesmal gab es wunderschöne Flocken in der Dämmerung.

Jede von ihnen wie ein Kunstwerk, sanft im Fall und in der Gänze geradezu ein Schauspiel. So vergänglich und doch so perfekt. Ich bin nachts noch lange spazierengegangen und habe mich an dem Schneefall erfreut. Die Flocken legten sich freundlich auf meine Wangen und tauten dort wie im geplanten Zielflug. Dann eben Winter im März. Dann eben allein zu Ostern.

Auch wenn Du Ostern allein warst – Du warst gut zu Dir und das gelingt einem durchaus nicht immer. Liest sich jedenfalls harmonisch und gemütlich, auch wenn das vielleicht nur ein Moment neben anderen war.
Ostern ist für mich eher ein Freundes- als ein Familienfest. Zwar kann ich manchen Einladungen nicht ausweichen, aber Ostern gehören auf jeden Fall die Freunde dazu.
Und auch wenn es ein Widerspruch in sich ist, empfinde ich das Osterfest als „leichter“, beschwingter. Vielleicht beeinflussen mich da auch die Farben des Frühlings schon zu sehr, wobei die ja in diesem Jahr unter der Schneedecke verschwunden sind.
Den nächtlichen Schneespaziergang stelle ich mir einsam vor, aber so wie Du ihn beschreibst, würde es mich fast locken selbst mal raus zu gehen, um in der Nacht die Schneeflocken einzufangen.
besteht nicht auch die kunst darin, sein glück allein zu finden? genau das hast du bekommen und zwar dadurch, dass du gut zu dir warst und zu den schneeflocken.
ich mag das, wenn ich in texten baden kann. dies hier ist so einer, mit mehr oder weniger minimalen temperaturschankungen.
schön schön!:- )