Nur ein Augenblick voller Fragen
„Schneeregen“, murmle ich auf dem Weg nach Hause. Die konturlosen Flocken schmerzen in den Augen, wohin sie dem Wind willenlos folgten. Woher so ein Wetter jetzt noch kommt, ist fast unverständlich. Kann ein Wetter unhöflich sein? In der Wohnung ist es so ruhig. Das Telefon hält sich lästig diskret im Hintergrund. Der Makler rief vorhin an, das Haus ist nicht mehr zu haben. Können Anrufbeantworter Häme entwickeln? Warum nur sind Luftschlösser so einfach aufzustellen und so schwierig wieder abzubauen? Warum waren die beiden Frauen auf dem Verkupplungstermin am Wochenende bloß so eigenartig? Ihr Desinteresse wurde nur noch von ihrem Mangel an Benehmen übertroffen. Hat Geistlosigkeit eigentlich eine allgemeine untere Grenze? Ich sitze auch der Couch und fühle mich wie angeklebt. Sehr still. Unendlich still. Und wie zum Garnieren eines perfekten Mahls, fällt sie mir wieder ein. Ich vermisse sie. Noch immer. Gefühle klingen nach minus. Gibt es ein Anrecht auf Glück? Wenn ich in meinem Leben zurückschaue, hätte ich sicher einen kleinen Anspruch und das hätte rein gar nichts mit letztendlich albernen Befindlichkeiten über zwischenmenschliche Konkurse zu tun. Heute erzählte eine Freundin, wie krank ihr Vater sei. Ich mochte ihr nicht verraten, wie das weitergehen kann und wird. Aber der Sonnenuntergang heute, der war großartig. Der Himmel schien sich wie auf einer Gala präsentieren zu wollen. Fast wie eine Entschuldigung für den Schnee. Dann hat das Wetter doch Benehmen? Alles ist ein Augenblick, ein kompliziertes Geflecht voller Gleichungen, Mechanismen und Fragen. Im Schlag einer Sekunde.

Diese stillen Momenten in denen man wie festgeklebt dasitzt, die kenne ich auch. Die müssen durchlebt werden, immer wieder, ob wir wollen oder nicht, aber dann den Sonnenuntergang zu entdecken, dass ist das Wichtige. Ihn nie zu übersehen. Oder den Regenbogen oder das Gänseblümchen oder …
Um den stillen Moment los zu lassen, fahre ich dann manchmal an die Landungsbrücken und mache Fotos oder in die Heide oder ich kaufe Postkarten. Da kommen mir andere Gedanken, wenn ich sie zulasse.
Ich empfehle in diesem Zusammenhang den Weg durch den alten Elbtunnel zu recht später Stunde. Auf der anderen Seite hat man des nächtens einen wunderschönen Blick auf Hamburg. Großartig, seelenvoll und belebend. LG
Ja, den Blick kenne ich, ich komme aus Hamburgs Süden, da schaut man öfter mal “rüber” auf die Stadt
.
Den Gang durch den alten Elbtunnel am späten Abend kenne ich auch. Immer wieder reizvoll.
Offene Fragen der Woche (3)
SR2: Fragen an den Author (Christian Nürnberger. Was man über das Christentum wissen muss)
Auf der Suche nach dem Glück: Falsches Gesicht?
Leina Wald: Entwicklungs(un)möglichkeiten
Strömungen des Lebens: Nur ein Augenblick voller Fragen
…
Das Frage-Blog schrieb dies am März 21, 2008 um 9:51
Der Winter und du, ihr seid euch im Moment sehr ähnlich. Ihr müsstet eigentlich beide loslassen, doch manchmal will das einfach noch nicht so recht klappen…
Du hast Recht. Ich befürchte, der Winter wird etwas schneller sein. Aber ich übe schon die Muskeln meiner Hand zu lockern.