Die Zeit frißt, sie gebärt, sie verschlingt und sie gewährt.
Ich bin noch da!
•Oktober 28, 2009 • Kommentar schreibenEs ist sehr viel Zeit vergangen seit der letzten Eintragung hier. Es fehlten mir einfach die angemessenen Worte. Ich konnte nicht beschreiben, wie eine Katastrophe die andere nach sich zog. Wie ein Themenkreis nach dem anderen mir um die Ohren flog. Seit ich diesen Blog begonnen habe, rauschten meine Dinge rasant talwärts. Mittlerweile arbeite, oder besser ertrage ich, einen Job, der mich derart unterfordert, daß es mich gruselt. Absolut keine Anerkennung, keine sozial verbindende Komponente. Ich war und bin ein Fremdkörper in dieser Firma. Die zahlreichen anderen Bewerbungen liefen ins Nichts. Auch wollte sich keine Frau „aufraffen“ dauerhaft und mit etwas Perspektive ihre Zeit mit mir zu teilen. Zwischenzeitlich bin ich fast abgestumpft und lasse den Dingen gleichmütig ihren Lauf. Und doch bin ich auch immer wieder fast fasziniert, wie kontinuierlich Sachen schiefgehen können. Aber ich erdulde und finde immer wieder den Optimismus und die Freude, mag sie sich auch in noch so kleinen Details verbergen. Aufgeben zählt nicht. Wenngleich ich manchmal das Gefühl habe, aus mir heraus wie ein Betrachter zu treten, und über mich und mein Leben irritiert den Kopf schütteln zu müssen. Wahrlich ein krudes Jahr 2009, das sich einzig dadurch auffing, daß ich meine Leidenschaft für das Fotografieren erfolgreich ausleben konnte. Ich empfinde das Gelb der herbstlichen Blätter jetzt wie ein Kofferpacken. Es ist Zeit für 2010. Es ist Zeit für Hoffnung, es ist Zeit, das Buch der letzten Zeit endgültig zu schließen und zurück in das Regal der Vergessenheit zu stellen. Und doch sind diese Worte viel einfacher, als sie klingen.
Cowboys And Angels
•September 6, 2008 • Kommentar schreiben
Das Album von George Michael „listen without prejudice“ ist nach meinem Dafürhalten eine der besten CDs, die ich jemals gehört habe. Dabei ist der Song „Cowboys and Angels“ mein Lieblingstitel daraus. Er erinnert mich an so viele Situationen aus meinem Leben, an Leid und Glück. Und so gehört auch dieser Titel in diesen Blog. Aus diesem Album gab es meines Wissens keine Videos mit George Michael. Aber diese Version ist auch gut gemacht, nur leider etwas leise.
Ein schöner Tag!
•September 3, 2008 • 1 KommentarIch muß gestehen, die letzten Wochen sind für mich nicht einfach gewesen. Die latente Orientierungslosigkeit gewann immer mehr die Überhand und entzog mir doch ein gerüttelt Maß an Energie. Endlose Sprachlosigkeit, unbefriedigte Sehnsüchte. Nur Kleinigkeiten vermochten etwas Freude zu vermitteln. Zäh eben.
Doch heute war der Tag ganz anders. Zunächst war ich auf der Vernissage eines Schülers von mir, die mir sehr gefallen hat. Ich habe sehr nette Menschen getroffen und äußerst ansprechende Unterhaltungen geführt. Da ging der Tag schon gleich in die rechte Richtung. Abends nun war ich mit „Ihr“ und dem alten Freundeskreis inkl. Schwester verabredet. Etwas Nervosität konnte ich mir gegenüber nicht verleugnen. Als ich die Treppen zu ihrer Wohnung erstieg, wurden mir die Knie fast weich und mein Herzschlag schaltete ungefragt eine Stufe höher. Es fühlte sich an, als wäre ich nie weg gewesen und doch auch wie eine ganze endlose Ewigkeit. Meine Gedanken rasten. Als ich dann in der Tür stand, kam es mir vor, als käme ich zurück in ein Zuhause, daß plötzlich von anderen Menschen bewohnt wird. Sie hat die Wohnung komplett neu eingerichtet, weniges wirkte in seiner Gänze vertraut. Keine Reste von mir. Selten habe ich eine Ex-Freundin gehabt, die mich so konsequent aus dem Erscheinungsbild ihrer Wohnung getilgt hat. Aber so ist das Leben. Ich muß und kann das letztendlich akzeptieren. Und schon die extrem herzliche Begrüßung durch die Schwester, ließ alle Zweifel über die Richtigkeit meiner Anwesenheit dort augenblicklich verfliegen. Nach und nach kamen alle dazu und es wurde ein so schöner Abend, wie ich ihn wahrlich lange nicht mehr erlebt habe. Die menschliche Wärme war so überwältigend, als sei ich keinen einzigen Augenblick lang fortgewesen. Auch wenn es tatsächlich schon fast ein Jahr war. Perfekt. Einzig getrübt wurde das Zusammensein durch eine kaum zu erklärende Schweigsamkeit von ihr zum Ende des Abends. War ich…? Hätte ich…? Müßte ich…? Ich bremse mich dabei gedanklich auf dem Nachhauseweg, denn ich muß hier nicht mehr die Rücksicht nehmen, die ich noch vor einem Jahr hätte walten lassen. Ich bin dieser Verpflichtung entbunden. Trotzdem hatte es mich irritiert. Ich kann eben nicht von heute auf morgen aus meiner Haut. Aber wie ich es drehe und wende: Es war schön. Und wie bestellt gesellte sich ein warmer Wind zu mir auf meinem Weg vom Bahnhof nach Hause. Eine unendlich sanfte Luft, die sich fast mit mir zu freuen schien. Der Wind machte den Eindruck mich begleiten zu wollen und ich würdigte ihn wie einen lang vermißten Freund.
Ein Tag wie eine Postkarte.
Die Geschichte eines Regentropfens
•August 28, 2008 • Kommentar schreibenWäre ich ein Regentropfen, käme ich vom Himmel, sinkend rasch zur Erde. Frisch angekommen, sähe ich mich um:
Alles ist neu und grün. Ich lege mich sanft auf ein ganz frisches Blatt und blicke immer wieder vorsichtig um mich herum. Die Sonne scheint und versieht die Wiesen unter mir mit einem bizarren Nebel, der langsam und stetig hinaufsteigt zu mir. Ich weile freudig auf meinem Blatt, beatmet vom Ausblick auf das schier endlose Grün. Ich sauge die feuchte Luft auf, deren Teil ich bin. Plötzlich verliere ich den Halt von diesem liebgewonnenen Blatt und sinke, getragen vom Wind, zu Boden. Es riecht jetzt nach Tannennadeln, ganz erdig, ich verteile mich, kaum angekommen, gleichmäßig über mein kleines Areal. Mein Blick geht zum Himmel und ich sehe den einen oder anderen Tropfen ebenfalls noch gen Boden sinken. Plötzlich macht es ein leises „Platsch“ direkt in meiner Nähe. Ich schaue zur Seite, noch immer überwältig von der Vielfalt des unter mir ruhenden Bodens. Ein anderer Tropfen hat sich neben mich gesenkt. Sie lächelt mich an. Ich frage, ob sie gut gelandet sei; wie die Reise war. Sie schaut mich nur weiter lächelnd an, ganz still. Unwillkürlich befällt auch mich diese spontane Freude. „Bist du schon lange hier?“, fragt sie mich. „Nein“, antworte ich, „ich bin auch erst gerade hier angekommen.“ Wir schauen uns an, Sekunden, Minuten. „Ich will bei dir sein“, sagt sie plötzlich mit einer Melodie im Satz, die mich keine Sekunde an ihren Worten zweifeln läßt.
Ein Moment größter Wonne, vollkommen rein. Doch die Sonne legt ihre Wärme immer stärker auf uns. Langsam werden wir ganz leicht; die Grenzen unseres Seins verschmelzen und wir steigen wieder hinauf, doch diesmal gemeinsam, ohne Trennung. „Wir können ja fliegen“, sagt sie mit Begeisterung. Ich schließe die Augen mit dem Gefühl, nirgends anders sein zu wollen und erfüllt von Glück. Ich spüre, wie sie mich durchdringt und wir immer mehr aus zwei eine Eins machen. Eine wunderschöne Einheit auf dem Weg zum Ursprung, zyklisch und voller Gemeinsamkeit. „Es ist so schön, dich an meiner Seite zu haben“, flüstert sie mir leise zu, bevor wir endgültig vereint werden und wolkengleich am Himmel wieder zu einem Tropfen werden, der sich erneut anschickt, gen Boden zu sinken. Alles fließt…..
Müde
•August 23, 2008 • Kommentar schreibenDie Tage verhüllen sich hinter einem Vorhang von Regentropfen. Der Sommer verordnet einen Schirm und geht mit der Sonne äußerst sparsam um. Mein Fahrrad vor der Tür erträgt die Last der Tropfen klaglos, ebenso wie seine mangelnde Beschäftigung. Ich sitze am Fenster und spüre die Runden, die meine Zeit mit der der anderen dreht. Ein zäher Verlauf, der mich immer öfter fragen läßt, wohin nun mein Weg mich führen soll. Ich sehe erschrocken meinen Gefallen am Alleinsein, um im nächsten Augenblick von der Sehnsucht nach Zweisamkeit überfallen zu werden. Ich denke an Schwarz, während meine Hand sich auf ein reines Weiß stützt. Dann sehe ich ermüdet auf den Kalender, dessen Tage von mir gewichen sind wie Flüchtlinge vor einer Katastrophe. Ich würde sie gerne festhalten, aber sie würden mich dann fragen, weshalb sie bleiben sollten. Ich hätte außer meinem gefühlten Verlust der Zeit aber keine Antwort. Es ist wie eine kleine Lähmung, wie ein Chronist, der passiv am Wegesrand der Zeit sitzt und den Dingen nur beim Geschehen zusieht. Und wieder fällt der Regen in mein Gemüt und entfaltet seine zerreibende Wirkung. Ich bin so müde; müßte mich und mein Leben bewegen und weiß doch nicht wohin…..

Bilder vom Leben XXII
•August 20, 2008 • 2 KommentareTage wie diese
•August 17, 2008 • Kommentar schreibenGestern saß ich einmal wieder am Hafen, etwas abseits des Trubels um den sog. „Welt-Astra-Tag“ in Hamburg.
Ein Freund und ich hatten uns hinter dem GJ-Gebäude auf die Stufen des Michels gesetzt, den Klängen des Hafens gelauscht und die Sonne beim Untergehen beobachtet. Diese stellte langsam ihre Bemühungen zur Erhellung des Hafens ein und die vorübergehenden Menschen begannen, sich in dieser Dämmerung aufzulösen. Ein Verschmelzen in die Unsichtbarkeit. Doch plötzlich, in den Resten des wahrnehmbaren Lichts, erkenne ich mir bekannte Umrisse. Vertraute Muster. Ich spähte in die lichtarme Umgebung. „Das ist doch….“, sagte ich leise zu meinem Freund, der schon in diesem Moment den Namen zu meinem Gedanken in die Dämmerung rief. Sie war es! Unter vielen tausend Menschen, die wie Ameisen den Boden bedeckten, an einer Ecke, weit ab vom eigentlichen Geschehen, läuft sie mir über den Weg. Mit den alten Freunden, die dereinst auch meine waren. Wir setzten uns alle sogar noch ein Weilchen zusammen und wieder war es wie früher. Dieses Gefühl stellte sich so schnell ein, als wäre es kometenartig vom Himmel gefallen. Nur, daß sie nicht mehr direkt neben mir saß und ich nicht mehr die gewohnte Aufmerksamkeit genoß. Wieder war diese Distanz zu spüren und doch war es so schön. Ihre Nähe war wie ein Holzkamin an einem kalten Wintertag, wie ein Sonnenstrahl, der im Herbst meine Seele erfreut, wie ein Lächeln des Schicksals. Doch wie ein Suchtkranker fuhr ich meine Emotionen auf das gebotene Maß zurück. Und schon waren auch alle wieder in der Dunkelheit verschwunden. Eigenartig war, daß meine Welt von diesem Augenblick an begann, einen kleinen Schluckauf zu bekommen. Auf dem Rückweg nach Hause verpaßte ich zweimal Bus und Bahn und brauchte die doppelte Zeit für die Heimreise. Eine schlaflose Nacht mündete in Kopfschmerzen und der verzweifelten und doch so trivialen Suche nach dem zweiten Strumpf, der bis jetzt im Nirwana der Unauffindbarkeit ruht. Was für ein Schuft. Dann wollte sich meine Uhr nicht finden lassen und auch die dringend benötigte Luftpumpe verweigerte ihre Sichtbarkeit. Der Kaffee kippte trotz sorgfältiger Zubereitung mit einem verlegenen Plumps in die Spüle und entzog sich damit seiner Nutzbarkeit. Der finale Tritt war schließlich der Streik des Schlosses meiner Haustür. Kurz vor dem Weg in den Stadtpark, konnte ich plötzlich mittags nicht mehr den Schlüssel in das Schloß bekommen. Es folgte eine ermüdende und zeitaufwendige Demontage der Schließanlage, die schließlich durch einen gezielten Hammerschlag und gutem Zureden wieder ihren Dienst aufnahm. Aber wie das so ist im Leben: Wenn es einmal nicht klappt, warum soll es dann nicht gleich wieder passieren? Schließlich traute ich doch dem Schloß und es erwies sich meines Vertrauens würdig und ließ meinen Schlüssel auch später wieder ein. Doch dann fiel wieder ein Glas herunter und die Pfanne segnete meine Hand mit einer heimtückischen Brandspur. Eigenartige Tag. Ich vermisse sie so…..
Bilder vom Leben XIX
•August 16, 2008 • Kommentar schreiben
Alltagsbilder, U-Bahnhof Meßberg nachts in Hamburg



